Krone Nr. 570: der krönende Abschluss und ein Neuanfang für Helene Rohrbacher

Krone Nr. 570: der krönende Abschluss und ein Neuanfang für Helene Rohrbacher

Künstlerin Helene Rohrbacher und „ihr“ Motiv: „Jedes einzelne Bild ist mir ans Herz gewachsen, ist etwas Besonderes für mich und am Ende hoffentlich auch für die Person, die es als Geschenk in den Händen halten wird.“ 

Jedes ihrer Werke ist ein Unikat, nicht replizierbar und schwer auf dem Kunstmarkt zu finden. Als Künstlerin schätzt und pflegt Helene Rohrbacher die Anonymität und die Intimität mit ihrer Malerei. Sie besitzt keine Website, ausgestellt hat sie seit sehr langer Zeit nicht mehr. Selbst ihr nahestehende Menschen wissen oftmals nichts oder nur wenig darüber, wie viel ihr die Malerei bedeutet, – dann dieser Schritt. 

Im Spätherbst 2019 sagte die 63-Jährige Malerin foryouandyourcustomers zu, begann mit 570 Auftragsarbeiten, kleinformatigen Bildern, die traditionellen Weihnachtsgeschenke für Mitarbeitende, Freunde und Kunden von foryouandyourcustomers. 570 Arbeiten mit ein und demselben Motiv: der Krone – lateinisch Corona, noch bevor dieser Name in aller Munde war.

„Kurz bevor die WHO Corona zu einer weltweiten Pandemie erklärte, fing ich an, Kronenbilder en masse zu malen. Diese Situation, dieser sehr spezielle Auftrag zu diesem Zeitpunkt – verrückt. Da war ich im Nachhinein selbst ein wenig erschrocken. Das war für mich und für alle, die davon erfuhren, eine eigenartige Situation“, erzählt Helene Rohrbacher. „Und dennoch: Die Krone ist für mich etwas Einzigartiges und weit mehr als nur der Name dieser furchtbaren Pandemie.“

„Theodora von Byzanz und ihre Krone begleiten mich seit 40 Jahren durch mein Leben“

„Mit 20 Jahren, als Kunststudentin habe ich mich in das Motiv der Krone verliebt. Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen. In Ravenna bestaunte ich diese wunderschönen, kunstvollen Mosaike und da sah ich sie: Theodora von Byzanz mit ihrer goldenen Krone auf dem Haupt – es war in gewisser Weise eine Initialzündung für meine Kunst“, beschreibt sie detailbeflissen das Erlebte. Seit 40 Jahren begleiten diese Eindrücke und das Kronenmotiv Helene Rohrbacher. „Diese weltliche, geistliche und mystische Symbolik fasziniert mich ungebrochen und diese Klarheit und schlichte Form passt perfekt zu meiner Art des Malens, findet seitdem vielfältigen Ausdruck in meinen Werken.“

Sieben Jahre nach ihrer Reise in die Emilia-Romagna wurde Rohrbacher gemeinsam mit ihrem Mann, dem österreichischen Künstler Kurt Rohrbacher, Mutter einer Tochter – sie nannten das Kind bezeichnenderweise Theodora. Dann, mit 30 Jahren, kaufte die inzwischen studierte Malerin gemeinsam mit ihrer Familie einen Bauernhof im oberösterreichischen Mühlviertel. Der Hof heißt Kronberg, trägt die Adresse Kronberg und im Ort wird Helen Rohrbacher seitdem nur die Kronbergerin genannt. „Krone, immer wieder die Krone“, erzählt sie mit einem Lächeln.

„Für das Außen zu malen, war mir völlig fremd.“ 

Für jemanden, der die künstlerische Anonymität liebt, seine Werke nur ungern in die Öffentlichkeit trägt, begab sich Helene Rohrbacher durch foryouandyourcustomers in eine völlig neue Schaffensphase. „Mein Mann hatte vor einigen Jahren bei der 5. Ausstellung von foryouandyourcustomers in Wien ausgestellt. Ich hingegen liebte immer den sehr privaten Rahmen zur Präsentation meiner Arbeiten und tat auch das nur äußerst selten, – bis dieser Auftrag kam.“

„Die Krone ist für mich ein ganz besonderes, starkes und fest in allen Kulturen verankertes Symbol, das jeder von uns schon von klein auf kennt, mit dem Erinnerungen verknüpft sind: Sei es die Corona am Sternenhimmel, das Gefühl, man setzt als Kind eine Krone auf, erhält in der Schule eine Krone für tolle Leistungen, krönt sich beim Fasching mit diesem Kopfschmuck.

Nach Farben sortiert. 570 Kronen und jedes Werk ein Unikat.

Dieses Symbol ist so eng mit meinem Leben, meiner Malerei verbunden, dass ich diese Anfrage damals einfach nicht ablehnen konnte. Die Aufgabe reizte mich ungemein, doch gleichzeitig schreckte ich ein wenig davor zurück: Explizit für 570 mir unbekannte Menschen zu malen, erschien mir anfangs noch undenkbar. Hinzu kam: Normalerweise verwende ich sehr große Formate auf Leinen und jetzt sollte ich auf Holz malen, auf einer Größe von nur 15 auf 15 Zentimeter.“

Ungewollt gewollte Isolation

„Die Monate, über die hinweg ich an den kleinformatigen Bildern arbeitete, war eine ungemein spannende, sinnliche und intensive Zeit“, umschreibt Helene Rohrbacher ihre gesammelten Eindrücke. Als der Corona-Lockdown in Österreich in Kraft trat, konnte ich mich zwangsläufig wochenlang zu Hause in Wien, in meiner Wohnung, ja in meinem zum Atelier umfunktionierten Wohnzimmer einnisten. Die Familie hatte ich auf unseren Hof geschickt und ich war allein mit meinen Kronen, schaffte mir den intimen Rahmen, den ich für die Arbeit benötigte. Niemand wollte in dieser Zeit etwas von mir, konnte ja gar nichts von mir wollen. Wenn mich jemand anrief und wissen wollte, wie ich diese Phase erlebte, waren viele völlig überrascht: Meine Gegenüber wussten oftmals nicht, wie intensiv ich mich mit der Malerei befasse. In dieser Zeit hätte ich zahlreiche dieser Werke abgeben können, denn die Begeisterung für sie war schnell geschürt.“

Zehn Monate drehte sich bei der Künstlerin mehr oder weniger alles um die Krone mit ihren meist drei Zacken. „Ich war ungemein fokussiert, habe es unheimlich genossen, diese Bilder in unterschiedlichsten Farbtönen und mehreren Schichten zu gestalten, ihre Patina zu erarbeiten, Tiefe für den Betrachter zu erzeugen.“ Jedes Bild wurde dadurch ganz eigen und unreproduzierbar. Schon bald war ihr Atelier überzogen von Kronenbildern, die sie zum Trocknen auslegte oder aufstellte, um deren Wirkung auf den Betrachter bei einfallendem Tageslicht durch die Fenster und in der Abenddämmerung zu betrachten. „Jedes einzelne Bild ist mir dabei ans Herz gewachsen, ist etwas Besonderes für mich und am Ende hoffentlich auch für die Person, die es als Geschenk in den Händen halten wird.“

Von Routine und Akkordproduktion keine Spur. Viel mehr nahm die Lust an der Arbeit Bild für Bild zu. „Das 570. Bild war dann die sprichwörtliche Krönung der Kronen, ein unfassbarer Abschluss für mich“, resümiert Helene Rohrbacher. „Ich muss gestehen, es fiel mir am Ende wirklich sehr schwer, den Pinsel beiseitezulegen und mich von den Werken zu trennen. Doch jetzt ist der Auftrag erledigt und ich stehe künstlerisch vor einem gefühlten Neuanfang; ich bin neugierig darauf, ob die Krone nun weiterhin eine so bedeutende Rolle in meiner Malerei einnehmen wird.“

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