Die Realität im Modell: Mit dem Informationsmodell zu neuen Erkenntnissen

Die Realität im Modell: Mit dem Informationsmodell zu neuen Erkenntnissen

Stefan Berner ist Experte für Informationsmodellierung und Business Analyse. In einem Kundenworkshop gibt er sein Wissen an die Teilnehmenden weiter. 

Was geschieht in einem Workshop, in dem die Teilnehmenden das erste Mal mit dem Informationsmodell ihres Fachs konfrontiert werden? Wie gelingt es sie abzuholen und dabei Lösungen für Modellanpassungen zu finden? Christian Wymann hat den Informationsmodell-Experten Stefan Berner von for​you​and​your​cus​tom​ers in einem Kundenworkshop beobachtet.

„Andere“, lautet die Antwort auf die Frage von Stefan Berner, zu welcher Kategorie denn das genannte Produkt gehöre. Ich schaue zu ihm und für mich wird in diesem Augenblick klar, dass das Wort zur Lösung führt.

Zusammen mit fünf Kundenvertreterinnen und -vertretern eines eidgenössischen Bundesamts in Bern sitze ich im Workshop, den Stefan moderiert. Als Experte für Informationsmodellierung und Business Analyse befindet er sich hier in seinem Element. Ich sehe ihm an, dass sein Kopf auf Hochtouren arbeitet.

Vor zwei Jahren hat Stefan mit dem Workshop-Organisator das Informationsmodell für diesen und weitere Fachbereiche erstellt. Es gilt auch heute noch, soll aber wegen anstehender fachlicher und später technischer Anpassungen geprüft werden. Deshalb geht es im Workshop darum, konkrete Anwendungsfälle durchzuspielen. Nach kurzer Zeit zeigt sich, dass das Modell — die Informationslandkarte — ergänzt werden muss.

Einführung ins Modell via Fach

Der Grossteil der Teilnehmenden kennt weder das Modell noch die Methode der Informationsmodellierung. Nach einleitenden Worten zum Ziel des Workshops durch den Organisator, übernimmt Stefan und steigt direkt in die Materie ein. Entgegen meinen Erwartungen beginnt er nicht damit, die Methode zu erklären, um sich dann den fachlichen Fragen zu widmen. Obschon er das Informationsmodell auf dem Bildschirm zeigt, spricht er über die einzelnen fachlichen Bereiche und Begriffe. Auf diese Weise gelingt ihm eine allmähliche Kurzeinführung in die Methode, indem er die Elemente des Modells dann erklärt, wenn sie relevant werden. Viel wichtiger scheint mir im Nachhinein jedoch gewesen zu sein, dass er alles Methodische weggelassen hat, das die Teilnehmenden im aktuellen Kontext nicht benötigen. Stefan gelingt die Einführung des Modells, in dem er hauptsächlich in der Sprache des Fachs spricht.

„Stefan gelingt die Einführung des Modells, in dem er hauptsächlich in der Sprache des Fachs spricht.“

Christian Wymann, Autor und Berater bei foryouandyourcustomers Zürich Stadelhofen

Zu meinem Erstaunen verstehe ich nach der ersten Stunde die fachliche Problematik in ihren Grundzügen und sehe die Zusammenhänge, ohne dass ich vorher mit dem Thema in Berührung gekommen bin. Die anderen Teilnehmenden dürften keine Probleme haben. Doch bald hinke ich hinterher, als es um mögliche Anpassungen im Modell geht. Stefan navigiert gekonnt durch den Dschungel der Abkürzungen, nicht zuletzt, weil er sich mehrer Jahre intensiv mit dem Thema befasst hat.

Praktische Auseinandersetzung mit dem Modell

Um die Arbeit am Modell praktisch zu halten, wird mit einer vereinfachten Darstellung auf einem Flipchart gearbeitet, das der Workshop-Organisator mitgebracht hat. Hier entsteht der Entwurf einer möglichen Lösung. Das eigentliche Modell liegt den Teilnehmenden auf einem A3-Blatt vor.

Anfänglich sitzen alle, doch bald kommt Dynamik in die Diskussion und die Sprechenden stehen auf, gehen zum Bildschirm oder Flipchart, um zu zeigen oder zu ergänzen. Weil ich zeitweise in der Diskussion verloren bin, beobachte ich Stefan, der sich physisch und mental mitten drin befindet. Sein Kopf arbeitet unaufhörlich an der optimalen Lösung.

Zurück zum Modell — immer wieder

Auch wenn die Teilnehmenden nun wissen, wie sie das Informationsmodell ihres Fachs lesen müssen, denken sie aus Gewohnheit über die grundlegenden Informationen hinaus. Sie denken in Beispielen, die direkt aus ihrer täglichen Arbeit stammen. Dabei bleiben sie unbewusst durch die Möglichkeiten des abzulösenden Systems eingeschränkt.

Die Diskussion verschiebt sich mehrmals hin zu Fragen, wie die Informationen den Usern des Webportals präsentiert werden sollen. User Interface und Experience haben ihre Berechtigung, kommen aber später zum Zuge. Stefan versteht es die Teilnehmenden von diesen thematischen Ausflügen zurück zum Gegenstand des Workshops zu holen: stimmt das Informationsmodell und wenn nicht, wie muss es angepasst werden. Er lädt sie wiederholt ein zu prüfen, ob das Modell ihre fachliche Realität abbildet.

Wörter, die triggern

Während der drei Stunden spielen die Teilnehmenden Anwendungsszenarien durch und prüfen aufs Neue, welche Informationen hinzukommen oder wegfallen. Zweimal fallen Aussagen, die Stefan aufhorchen lassen: „nicht immer“ und „Andere“. Genau diese Aussagen weisen auf Unklarheiten und Lücken hin, die das Modell klären muss. In beiden Fällen scheint mir, als könne man Stefans Gedankengänge einen Gang höher schalten hören. Die Aussage „Andere“ — dem Sammelgefäss für alles, was sonst keinen Platz findet — scheint Stefans Denken zu triggern, denn er zeichnet sogleich eine Lösung auf dem Flipchart ein. Erstaunlich daran ist, dass im Informationsmodell eine Entität existiert, die der Lösung nahe kommt. Nach einer weiteren halben Stunde, in der nochmals Anwendungsfälle durchgespielt werden, endet der Workshop mit einer vorläufigen Lösung.

Das Modell ist nur der Anfang

Nach Abschluss des Workshops höre ich Stefan zwischen Tür und Angel sagen, dass es sinnvoll wäre, alle Personen, die mit Ausschnitten des Modells arbeiten, an einen Tisch zu bringen. Er schlägt vor, darüber zu sprechen, wie die erarbeiteten Informationen in der Organisation stärker verankert werden. Denn mit einem Informationsmodell existiert eine wichtige Grundlage, doch das Ende der Arbeit ist es nicht.

Zum Experten

Stefan Berner

Business Analyst & Modelling Expert

Stefan Berner ist Autor des Buches Informationsmodellierung. Durch verstehen zu besserer Software und des Whitepapers zum Thema. 

Zusammen mit Christian Bühlmann schreibt er aktuell ein Buch, das Ihnen zeigt, warum und wie Sie Informationen in Ihrem Unternehmen erheben, verwalten und verankern sollten. Das Buch erscheint 2023.

Zusätzlich entsteht ein Blended Learning Training, das Ihnen eine vertiefte und praxisnahe Weiterbildung zu Informationsmodellierung und -kartografie bietet. Sie finden das Training 2023 auf unserer Plattform.

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