„Die DNA eines Unternehmens“ – Kommentar von Christoph Gerber, CEO Core Information Consult, zum Informationsmodell​

Das Informationsmodell: „Die DNA eines Unternehmens.“ Ein Kommentar von Christoph Gerber, CEO Core Information Consult

Christoph Gerber empfiehlt die Lektüre der Informationsmodellierung von Stefan Berner. 

„Es sind nicht die Prozesse, die ein Unternehmen langfristig von anderen unterscheiden. Diese können jederzeit geändert werden. Es ist die Information über Geschäftsfälle, die ein Unternehmen einzigartig macht“, ist lic.rer.pol. Christoph Gerber, CEO bei der Core Information Consult AG, überzeugt. Warum er Entscheidungsträgern in Organisationen den Einsatz des von Stefan Berner entwickelten

Informationsmodells empfiehlt und worin er die Vorzüge dieser Methodik sieht, beschreibt er in seinem Kommentar. Das kostenlose Whitepaper zum Informationsmodell können Sie hier downloaden.  

In seinem Standardwerk „Referenzmodelle für industrielle Geschäftsprozesse“ schreibt der renommierte Professor August-Wilhelm Scheer: „Der Entwurf der logischen Datenstrukturen mit Hilfe des ERM (Entity Relationship Model) ist der erste Schritt zum Aufbau einer Datenbank. Im nächsten Schritt muss die Datenstruktur in ein Datenmodell des DV-Konzepts umformuliert werden.“ Das hat sicher seine Richtigkeit. Der Nutzen eines ERM kann aber viel weiter gehen als bloß durch Abstraktion die Welt computergerecht zu machen. Wenn man berücksichtigt, dass „ein Modell in der ER-Darstellung durchaus auch für DV-Laien relativ leicht verständlich ist“, so kann das Modell gerade in der Anforderungsanalyse weitere wichtige Dienste leisten. 

Dies ist keineswegs eine neue Erkenntnis von Stefan Berner, sondern ist so bereits im Lexikon der Wirtschaftsinformatik von 1987 zu lesen. Mit seiner Methodik „Informationsmodellierung“ geht der Autor konsequent auf diesem Weg weiter. Er entfernt alles Technische aus dem Modell und beharrt auf einer einfachen, unternehmensweit verständlichen und akzeptierten Definition der Begriffe. Dadurch gelingt es ihm, das ERM vom Datenmodell für die IT zum Informationsmodell für die gesamte Unternehmung weiterzuentwickeln. Damit dient es als Kommunikationswerkzeug zwischen Fachbereich und IT und zum Festhalten der DNA eines Unternehmens. Denn genau darum geht es: die Beschreibung der einzigartigen Struktur eines Unternehmens. Es sind nicht die Prozesse, die ein Unternehmen langfristig von anderen unterscheiden. Diese können jederzeit geändert werden, sei es durch neue Technologien wie die Online-Bestellkanäle oder Ausgliederung von Funktionen wie den „Vor-Ort-Service“ an Partnerorganisationen. Es ist die Information über Geschäftsfälle, die ein Unternehmen einzigartig macht. Und diese Informationen, beziehungsweise die Informationsstruktur, sind vergleichsweise statisch. Eine Bestellung muss immer einen Besteller, ein Datum und eine Liste der bestellten Artikel haben. Egal, ob die Bestellung schriftlich, durch den Außendienst oder über einen Onlinekanal hereinkommt. 

Das Informationsmodell  dient als Kommunikationswerkzeug zwischen Fachbereich und IT und zum Festhalten der DNA eines Unternehmens.

Diese Eigenschaft, die statische Natur von Informationsstrukturen, führt aber dazu, dass sie in der Anforderungs- analyse oft nur am Rande betrachtet werden. Sie werden häufig als gegeben und bekannt betrachtet, und deshalb wird das Augenmerk in der Regel sofort auf die Prozesse gelegt. Zumal dieser Aspekt ja auch spannender erscheint: Hier passiert etwas.

Gegeben ist das Informationsmodell eines Unternehmens, soweit richtig. Aber nie bekannt. Wenn ein Use Case erarbeitet wird, so wird zwar in der Regel eine sogenannte Nachbedingung festgehalten. Zum Beispiel am Ende des UC „Bestellung“: Eine Bestellung ist in der Datenbank abgelegt. Erst viel später, während der Ausführung, wird dann realisiert, dass zur Bestellung auch noch ein gewünschter Liefertermin, Lieferadressen, Zahlungskonditionen und viele weitere Informationen hinzukommen. Im Buch „Use Cases effektiv erstellen“, ein Klassiker für alle Requirement Engineers, steht zum Thema Nachbedingung: „Entscheidend für eine Nachbedingung ist die Einigkeit aller Stakeholder, dass ihre Interessen befriedigt sind.“ Nur wenn wir ein Informationsmodell hinzuziehen, das seinerseits von allen akzeptiert ist, können die Stakeholder überhaupt beurteilen, ob dem so ist.  

„Bei verschiedenen Kunden und mit Ansprechpartnern aus allen Fachbereichen habe ich, und mittlerweile auch viele andere Berater, die Methodik der Informationsmodellierung in verschiedenen Projektphasen eingesetzt und durchweg gute Erfahrungen damit gemacht.“

Christoph Gerber, CEO bei der Core Information Consult AG

Auch in objektorientierten Modellen ist die Erstellung der Informationslandschaft vorgesehen. Dazu werden die Klassenmodelle verwendet. Sie bilden genauso wie das ERM die Informationslandschaft eines Unternehmens ab. Im Gegensatz zum ERM ist die UML-Notation aber nicht mathematisch fundiert und garantiert damit keine Widerspruchs- und Redundanzfreiheit. Außerdem ist die ERM-Notation zu bevorzugen, weil sie jederzeit ohne Informationsverlust in ein Klassenmodell transferiert werden kann, der umgekehrte Weg ist ausgeschlossen. 

Bei verschiedenen Kunden und mit Ansprechpartnern aus allen Fachbereichen habe ich, und mittlerweile auch viele andere Berater, die Methodik der Informationsmodellierung in verschiedenen Projektphasen eingesetzt und durchweg gute Erfahrungen damit gemacht. Nach einer kurzen Einführung sind alle Teilnehmer der Workshops jeweils in der Lage, das Modell zu verstehen und auch aktiv weiterzuentwickeln. Sie sehen schnell, dass hier die Basis für die unternehmensspezifische Umsetzung der IT-Systeme gelegt wird und dass es wichtig ist, das Wissen ihrer Abteilungen mit einzubringen und wichtige Entscheidungen nicht der IT zu überlassen.   

Ein anderer Aspekt tritt in Workshops mit Vertretern aus verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens immer sehr schnell in den Vordergrund: die gemeinsame Sprache. Die Vorgehensweise, die Stefan Berner beschreibt, zwingt dazu, Dinge zu benennen, also einen von allen Stakeholdern akzeptierten Begriff für eine Sache zu finden und präzise zu definieren. Schon allein durch diesen Schritt können große Missverständnisse zwischen verschiedenen Unternehmenseinheiten, aber auch in der Kommunikation mit dem Kunden vermieden werden. Allein dadurch kann sich die gemeinsame Erarbeitung eines Informationsmodells bereits lohnen.  

Christoph Gerber

CEO Core Information Consult AG

Christoph Gerber hat an der Universität Bern Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Wirtschaftinformatik und Operations Research studiert. Nach dem Studium und der Ausbildung zum Offizier war er Consultant für Financials, der Buchhaltungs- und Kostenrechnungsapplikation von Oracle, bei Oracle Software (Schweiz) und Leiter des Datawarehouseprojektes MOSAIC von Swisscom Mobile. Seit September 1999 ist er als Gründer Geschäftsführer und Mitinhaber der Core Information Consult AG tätig. Core Information Consult ist als Beratungsunternehmen für kleine und mittlere Unternehmen im Espace Mittelland tätig. 

Christoph Gerber und sein Team unterstützt Dienstleistungsunternehmen als verlässlicher Partner dabei, ihre Informatik an ihren Geschäftsbedürfnissen auszurichten und ihre Ressourcen möglichst wertschöpfend einzusetzen.

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