Im Sichtbaren das geheimnisvolle Unsichtbare sehen. Bruno Sutter beeindruckt mit seinen Werken zur 31. Ausstellung von foryouandyourcustomers

Im Sichtbaren das geheimnisvolle Unsichtbare sehen. Bruno Sutter beeindruckt mit seinen Werken

Beobachter begeisterter Betrachter: In seiner Neben- und dennoch Hauptrolle fühlte sich Künstler Bruno Sutter am Eröffnungsabend der 31. Ausstellung am Standort in Baar sichtlich wohl. Mit seinem Arrangement von 80 Werken über die gesamte Bürofläche verteilt, ist es ihm gelungen, eine neue Atmosphäre in den großen, hellen Räumlichkeiten von for​you​and​your​cus​tom​ers zu schaffen.

Bruno Sutter stapelt, presst, klebt, schraubt und formt forschend mit der Säge Kunst der besonderen Art. „Als einzigartig und einmalig“ beschreibt er selbst seine Arbeiten. „Ich kenne niemanden sonst, der so mit Papier umgeht“ – gehalten, verbunden, unterstützend durch Metall, Beton und Holz.

25000 Blatt orangenes Druckerpapier – für eine Arbeit. Reduziert, kompakt, in sich ruhend und fest verbunden mit einem Betonsockel. In der Schnittstelle des Besprechungsraumes von Baar positioniert. Auf den ersten Blick abseits. Auf den zweiten Blick in die Schnittstelle der räumlichen Architektur eingepasst, einer Schnittstelle gleich zwischen Kunst und Mitarbeitenden. Das Werk ohne Namen weist symmetrische, fischgrätenartige Sägespuren auf, wirkt faserig, rau und strukturiert – eben genau so, wie man es von Holz kennt“, beschreibt Kunsthistorikerin Isabelle Köpfli ihre erste „Begegnung“ mit Bruno Sutters Werk bei der Einführungsansprache in die Ausstellung. „Doch es ist Papier und es beeindruckt“.

„Diese Papierarbeiten, sei es durch Form, Farbe, Material und Ausdruck: Sie werten die Räume unheimlich auf, lassen jeden Raum zu einem einmaligen Büroraum werden, zu einem besonderen Platz hier im Office“, lautete denn auch das Urteil eines Mitarbeitenden vor Ort. Orange zieht eine Spur über die Fläche verteilt, verbindet Werke und Räume miteinander, wird begleitet von flächigen Wandplastiken, zugeschnitten und geklebt aus gräulichem Industriekarton, und nimmt die Kommunikation wieder auf. Es sind die aktuellsten Arbeiten, die sich mühelos einfinden in Sutter Werke der vergangenen zehn bis 15 Jahre und es ist nur ein Ausriss dessen, was dort im Ganzen zu betrachten ist.

Sie alle tragen keinen Titel – fast alle. Ganz bewusst. „Was meine Kunst darstellt, soll offen bleiben, Spielraum bieten“, erklärt Sutter darauf angesprochen. „Mit einem Titel beeinflusse ich und gebe eine Interpretationsrichtung vor. Ohne Titel wird jedes Werk individuell vom Betrachter wahrgenommen, lässt der Fantasie freien Raum und wird so unvoreingenommen interpretierbar gemacht. Auf diese Weise entdecke ich im Gespräch mit den Betrachtern meine Arbeiten selbst nochmals neu und anders, werde auf Dinge angesprochen, die ich vielleicht noch gar nicht entdeckt habe. Dieses Feedback gefällt und freut mich sehr und es ist auch motivierend, weiter an dem zu arbeiten, was mir am Herzen liegt – weiter zu suchen.“ Einzig die 50 sogenannten PET-People bilden dabei eine Ausnahme; eine Auftragsarbeit für eine Sonderausstellung in Bern, als er hunderten PET-Flaschen den Boden abschnitt, sie mit Beton ausfüllte und formte – zu sehr figurativen, fast menschlich anmutenden Objekten.

Seine Arbeiten entstanden in Bruno Sutters „Laboratorium“, dem Atelier des Berner Objektkünstlers, wie er sich selbst bezeichnet. „Experimentieren, spielen und letztlich entdecken“ sind sein künstlerischer Antrieb. „Ja, ich bin ein suchender und forschender Mensch. Ich verwende Papier: dickes, dünnes, bedrucktes, bemaltes, welliges, flaches – jede Form von Papier. Dieses setze ich zusammen und forme es, bevor ich es mit Metallstäben durchbohre und mit Metallplatten fixiere, bevor ich es presse“, beschreibt er sich und seine Arbeitsweise im Gespräch mit den Gästen. „Das ist die Basis und bis zu deisem Zeitpunkt weiß ich auch noch nicht, was letztlich entsteht. Erst wenn ich es anschließend mit der Säg*e schneide und bearbeite, kommt ein neues Werk zum Vorschein. Es ist der Abschluss eines Prozesses, das Sichtbarmachen der Arbeit und das Entdecken für mich.

Kuratiert von Sali Ölhafen kann die Ausstellung nach telefonischer Voranmeldung bis April 2020 besucht werden.

Weitere Termine

31. Ausstellung bei for​you​and​your​cus​tom​ers: Werke von Bruno Sutter in Baar
Johanna Eppler am 12.04.2019
30. Ausstellung bei for​you​and​your​cus​tom​ers Stuttgart mit Werken von Michael Schramm
Sali Ölhafen am 02.04.2019
29. Ausstellung von for​you​and​your​cus​tom​ers am Standort München: „Weiß tritt auf“
Sali Ölhafen am 30.10.2018