„Wenn nicht jetzt, wann dann?!“ Die Data Factory als Kernelement für eine erfolgreiche Digitalisierung

„Wenn nicht jetzt, wann dann?!“ Die Data Factory als Kernelement für eine erfolgreiche Digitalisierung

„Wenn nicht jetzt, wann dann?!“, lautete das Fazit eines Teilnehmers des 66. Business Breakfasts von for​you​and​your​cus​tom​ers. „Die Supply Chain physischer Produkte wurde von Unternehmen fortlaufend optimiert und ausgebaut. Die Corona-Pandemie, in vielen Bereichen ein Boost für das Onlinebusiness, zeigte uns einmal mehr: Im Bezug auf digitale Produktinformationen besteht bei uns und anderen enormer Nachholbedarf. Wenn wir jetzt in puncto Digital Information Supply Chain (DISC) nicht ins Handeln kommen, beginnen effizienter Daten zu verwalten, zu managen und weiterzuentwickeln – wann dann?“. Wie das gelingen kann, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von drei ausgewiesenen Experten beim Business Breakfast „Data Factory als Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung“.

Jeannine Vythoulkas-Arnold, CEO der foryouandyourcustomers Baar AG bediente sich zur Einführung in das Thema des Tages einer Analogie, visualisiert und erläutert anhand des Modells Exploded View von foryouandyourcustomers. „Und wie steht es um Ihre Data Factory?“, fragte sie. Datenfabrik? „Ein für Unternehmen aktuell überlebenswichtiges Thema. Reale Produkte entstammen einer Fabrik; dort werden sie vorbereitet, hergestellt, kommissioniert und ausgeliefert – durchlaufen alle Ebenen der Exploded View. Nicht anders ist es mit dem digitalen Produkt: Daten müssen ebenfalls erfasst, erstellt, kommissioniert und verteilt werden, auf jeder Ebene – in der eigenen Data Factory.“

Und genau da stecke für viele Unternehmen die Crux an der Sache. Die DISC-Expertin am Standort Baar weiß, wovon sie spricht. Während Vythoulkas-Arnold in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Organisationen bei der Realisierung der Supply Chain unterstützte, werde die Digital Information Supply Chain noch immer vernachlässigt. Größen- wie branchenunabhängig liege der Fokus auf Systemen und Prozessen, der Pflege und Verbesserung der Lieferkette für das reale Produkt. Die Intra- wie Extra-Datenlogistik für parallel hierzu entstehende neue wie auch bereits vorhandene Daten als essenzieller Bestandteil einer digitalen Lieferkette funktioniere hingegen sehr selten. „Die dazugehörigen Daten liegen verteilt in einer Vielzahl an Systemen, Prozessen und Abteilungen, über alle Ebenen der Exploded View verstreut. Eine Single Source of Truth – meist Fehlanzeige.“

Sie forderte die Teilnehmer eindringlich nicht allein zur Datenpflege, sondern zu einer Harmonisierung der realen mit der digitalen Supply Chain auf: „Die Erstellung, Pflege und Distribution von Produktinformationen sollte parallel zur Produktherstellung erfolgen, nur dann können Sie auch zukünftig gegen die Konkurrenz am Markt bestehen“, so ihr Ratschlag an die Anwesenden. „Daten müssen gepflegt werden, sobald sie entstehen, um beispielsweise Produktdaten zum Verkaufsstart von Waren verfügbar zu haben, um Onlinekampagnen frühzeitig zu planen, ein Produktmarketing zu betreiben, Kunden, externe Händler sowie Webshops mit den benötigten Informationen versorgen zu können.“

 Jürg Hofer von der Emmi Schweiz AG berichtete, seit wann und in welcher Form man sich beim größten milchverarbeitenden Betrieb der Schweiz dem Thema Datenpflege angenommen hat.

Ein Thema, dessen Bedeutung man sich bei der Emmi schon zu Beginn der Jahrtausendwende bewusst wurde, wie Jürg Hofer von der Emmi Schweiz AG im Anschluss aus seinen Erfahrungen berichtete. „Durch die zunehmende Digitalisierung wird das Thema Datenpflege immer relevanter für den Geschäftserfolg: Wir alle hier sind doch in der Situation, dass wir auf neue Herausforderungen, die von Kundenseite und dem Markt kommen, datentechnisch gerüstet sein wollen, um effizient und erfolgreich auf diese Anforderungen reagieren zu können.“ Jürg Hofer hat seit 2003 mit seinem Team die für das Stammdatenmanagement notwendigen Strategien, Prozesse, Organisationskonzepte, Methoden und Systeme bei der Emmi entwickelt und schrittweise eingeführt.

„Uns wurde damals klar: Wenn wir keine Stammdaten in gewisser Qualität besitzen, dann wirkt sich das auf das ganze Unternehmen aus; sie sind der Rohstoff, der durch unsere Systeme fließt und mit ihnen liefern wir die Grundlage, um die Warenproduktionsprozesse überhaupt steuern zu können“, beschrieb der Teamleiter Enterprise Architect. Der erste Schritt in der Digitalisierungs-Initiative war, die vorhandenen Daten zu konsolidieren, eine zuverlässige Datenquelle, eine Single Source of Truth zu schaffen. „Anforderung war, dass Informationen anschließend in Form von Daten zukünftig von Beginn an in der Qualität vorhanden sein müssen, wie sie in der jeweiligen Ausleitung benötigt werden.“ In der Folge machte man sich bei Emmi an die Reduktion der Systemlandschaft („wir hatten allein sechs verschiedene Warenwirtschaftssysteme) und derzeit sind wir am Aufsetzen einer Media Supply Chain. Drei große Etappen, kurz skizziert, und wir sind noch längst nicht am Ende unserer Digitalisierungs-Initiative angelangt; das ist kein Projekt, es ist ein fortlaufender Prozess, der Zeit benötigt, der sukzessive und mit der Unterstützung aller Abteilungen und Mitarbeitenden umgesetzt und etabliert werden muss.“

„Doch wo und wie gehen wir das Thema DISC an?“

„Doch wo fangen wir an und welche Systeme und Prozesse benötigen wir, um mit der digitalen Lieferkette nachziehen zu können?“, lautete die Frage eines Teilnehmers, die viele der Anwesenden an diesem Morgen beschäftigte und auf die ihnen die beiden Informationsmodellierungs-Experten Stefan Berner und Christian Bühlmann von foryouandyourcustomers zum Abschluss Antwort bot.

„Wir müssen schneller werden“, pflichtete auch Christian Bühlmann den beiden Vorrednern bei. „Handlungsbedarf haben viele nicht erst seit Corona ausgemacht und auch die Bedeutung von Geschwindigkeit wird immer deutlicher. Aber was fehlt, sind Klarheit und Übersicht im Handeln. Man muss vorhandene Ressourcen richtig lenken können, den Mitarbeitern eine Karte an die Hand geben, Übersicht, Klarheit und Orientierung über Abläufe und Aufgaben, über das, was vorhanden und das, was zu tun ist, bieten. Hierfür wurde das von Stefan Berner erfundene Informationsmodell in Richtung Informationszivilisation weiterentwickelt, erklärte Bühlmann.

Das Informationsmodell ist ein erster wichtiger Schritt, eine gemeinsame Sprache im Unternehmen zu entwickeln und das Mapping von Datenmodellen von Attributen und Daten generell Richtung Ausgabekanal zu vereinfachen. Es unterstützt, die Digital Information Supply Chain in den Griff zu bekommen, indem es hilft, die einzelnen Datentöpfe miteinander zu verknüpfen, Daten zu verwalten, Informationen zu nutzen, Einheitlichkeit in den Begrifflichkeiten und Transparenz über alle Ebenen der Exploded View hinweg zu schaffen. Ein schlüsselfertiges Konzept gebe es hierfür nicht: „Jedes Unternehmen ist in seiner digitalen Reife, in seiner Systemlandschaft und seiner Organisation individuell“, so Stefan Berner und an die Teilnehmer gewandt, fügte er hinzu. „Wir begleiten sie auf ihrem Weg und zeigen ihnen, wie und mit welchen Werkzeugen sie unser Modell in ihrem Unternehmen verankern und wachsen lassen können. Umsetzen müssen sie es aber selbst.“

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