Wenn sich Kunst auf den zweiten Blick verändert: Hinterfragen der Darstellung

Wenn sich Kunst auf den zweiten Blick verändert: Hinterfragen der Darstellung

In den Räumlichkeiten von ​for​you​and​your​cu​sto​mers Wien wurde die 28. Ausstellung „Codes“ feierlich eröffnet. Darin präsentieren fünf bekannte österreichische Künstler in zahlreichen Werken ihre persönlichen Zugänge zum Thema Code. „Der Sinn der Arbeiten”, so Angela Stief „bleibt dabei solange im Verborgenem, bis sich der Betrachter mit dem Werk verbindet und es hinterfragt, um so den Sinn zu verstehen.” Umringt von zahlreichen großartigen Werken begrüßte Angela Stief vor Ort rund 170 Gäste zum Auftakt der Vernissage in der Einführungsrede.

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In den Werken stecken viele Gedankensprünge des Künstlers

Es benötigt Zeit und beinhaltet häufig auch das sprichwörtliche „im Kreis gehen“, bis aus einer Idee ein Werk entsteht. Verläuft bei Michael Kos alles gut, dann kommt am Ende eine „Runde Sache“ heraus – und diesen Titel trägt auch eine der Werkserien des bildenden Künstlers aus Österreich, zu sehen in der aktuellen Ausstellung bei foryouandyourcustomers. 

Aus den unterschiedlichsten Materialien wie Metall und Glaskugeln kreiert Kos überdimensionale Buttons mit einem Durchmesser von bis zu 1,50 Meter, „Für mich ist einerseits das Konzept als Ausgangspunkt meines Tuns von großer Bedeutung, aber ebenso wichtig ist auch die Auswahl der Materialien, die ich später in meinen Entstehungsprozess integriere – der gesamte Prozess hat auch etwas mit dem Bauen von Bildern zu tun“, erklärt Michael Kos den interessierten Besuchern bei der Vernissage. Die überdimensionierten Buttons sind aber nur ein Teil mehrerer Werke und Serien, die Kos für die Besucher der Ausstellung bereithält. Unter anderem präsentiert der gebürtige Kärntner eine zweite Serie mit dem Titel „Mappings“. Zu sehen sind dabei zusammengefaltete Landkarten, die inzwischen jede Lesbarkeit verloren haben. Die Werke zeigen auf, dass diese Karten in der heutigen Zeit, im Zuge einer zunehmenden Digitalisierung und Erfindungen wie entsprechenden Navigationsapps weitestgehend ersetzt wurden und kaum mehr zum Einsatz kommen.

Ausnahmsweise, Werke nicht nur zum Betrachten

Tone Fink zählt zu den wohl bekanntesten österreichischen Künstlern und foryouandyourcustomers freut sich sehr, Werke des Künstlers zeigen zu dürfen. „Tone Finks Papierarbeiten bilden in der Ausstellung den Schwerpunkt“, führte Angela Stief den Künstler in ihrer Ansprache ein. Tone Fink verwendet in seinen Arbeiten nicht nur normales Papier, sondern gerne auch das sogenannte Loktapapier mit dem er besondere Arbeiten wie den „Papiermantel“ erstellt. Das handgeschöpfte Papier stammt aus Nepal, wo es nach einer 2000 Jahre alten Tradition aus der Rinde des Daphne (Lokta) Baumes hergestellt wird. Das Loktapapier bewahrt über Tausende von Jahren die ursprüngliche Qualität.

Die Besucher hatten viel Gefallen an Tone Finks Arbeiten: Die Bilder werden mit Acrylfarbe betupft und anschließend mit Quarzsand bestrichen, um dann wiederum abgeschliffen zu werden. So kommt die Acrylfarbe wieder zum Vorschein und „die Bilder dürfen nicht nur betrachtet, sondern sollen auch berührt werden“, so forderte Angela Stief die Gäste zum Tasten und Anfassen auf. „Für mich sind derartige Berührbilder immer etwas ganz Besonderes und es ist aufregend, die verschiedenen Strukturen jedes einzelnen Werkes zu ertasten“, sagte einer der Besucher während er mit seiner Hand über ein Bild von Tone Fink fuhr.

Für viel Gesprächsstoff sorgten auch die feinen, filigranen, in den Raum ragenden Arbeiten der Künstlerin Katharina Fink. Die Werke sind auf Papier gezeichnete Tuschearbeiten und werden durch die besondere Falttechnik zu Felsen, die fast schwerelos an der Wand hängen. Katharina Finks Werke sollen durch ihre Schlichtheit die Gesellschaft aufrütteln: „Unsere zunehmende Digitalisierung führt dazu, dass wir uns als Person in den Hintergrund stellen und wir uns in dieser Schnelllebigkeit kaum noch Zeit für das Privatleben nehmen“, führte Angela Stief im Namen der Künstlerin an. „Diese Simplizität macht die Arbeiten der Künstlerin einfach atemberaubend“, meinte eine Besucherin, während sie sich überlegte, wo eine der zu erwerbenden Arbeiten bei ihr zu Hause Platz finden könnte.

Papier mit farblich geometrischen Visualisierungen

Das Ausgangsmaterial des in Wien und London lebenden Künstlers Michael Wegerer sind visuelle Medien wie Daten, Tabellen oder Auswertungen. Er stellt die Börsennachrichten aus dem österreichischen Standard in einen ästhetischen Kontext, indem er den Zeitungsausschnitt mit farblich geometrischen Formen bedruckt.

Mit dem Übermalen möchte Michael Wegerer das vermeintliche „Draußen“ mit dem ebenso vermeintlichen „Innen“ in Parallelität setzen, wie Angela Stief erklärte. „Unabhängig davon, wo ich mich gerade mit meinem Körper befinde, das „Draußen“ kann sich weit über mein psychisches Sehvermögen, bis ans Ende der Welt verlängern. So abstrakt ist auch die Börsenwelt mit ihren ungreifbaren Zahlen“, sagt der Künstler über sein Tun. Eine ausgestellte Werkreihe von Michael Wegerers Arbeiten beinhaltet als Ausgangsmaterial die Logdaten von foryouandyourcustomers Wien, die er auf die ihm typische Art und Weise in Szene gesetzt hat.

Vieles scheint rätselhaft, manches lässt sich entschlüsseln, manches hingegen bleibt schleierhaft. Unter dem Namen „Schleierhafte Karten“, generiert der Maler und Grafiker Herbert Starek täuschend echte Kartographien auf dem Computer. Der Künstler füllt sie mit humorvollen Kommentaren, Absurditäten aller Arten und Poesie. Der Austausch von Straßennamen oder Legenden durch verzwickte Reime, führt den Betrachter solange in die Irre, bis sich die Karte als reine Projektion einer verzerrten Welt behauptet. Die Arbeiten liefern einen künstlerischen Ausdruck der Freude am eigenen Fragen, Forschen und Erkunden: Es sind die Schätze im Inneren, auf die Bezug genommen werden soll.

Sie sind herzlich eingeladen

Die Ausstellung, kuratiert von Sali Ölhafen, kann bis Juli 2019 nach telefonischer Anmeldung unter +43 1 890 50 19 besichtigt werden.