REFLEXION: Eine Einladung zum Nachdenken und wirken lassen

REFLEXION von Franz Türtscher: Eine Einladung zum Nachdenken und wirken lassen

Die traditionellen Weihnachts-geschenke von foryouandyourcus-tomers stammen 2021 vom österreichischen Künstler Franz Türtscher. 

Die Weihnachtsbilder 2021 von for​you​and​your​cus​tom​ers, gestaltet von Franz Türtscher sind selbstredend, wie er es beschreibt. „Dem Betrachter und der Betrachterin wird sowohl etwas widergespiegelt (zurückgeworfen) als auch ein Anstoß zum tieferen Nachdenken gegeben. Man sollte die Bilder wahrnehmen wie Musik – ohne Vorurteile und abwarten, was beim Betrachten passiert.“

Franz Türtscher ist ein leidenschaftlicher Koch und für ihn besteht eine gewisse Analogie zwischen dem Kochen von Speisen und dem Malen von Bildern – dem Malen nach selbst kreierten Rezepturen: Um ein gelungenes Ergebnis zu erlangen, bedürfe es einer wohlüberlegten Planung der einzelnen Zutaten, Handlungen und Abläufe, damit am Ende eine runde Sache entstehen kann und sich ein Gefühl der Zufriedenheit einstellt, das auch einmal als widersprüchlich und gewöhnungsbedürftig erlebt werden dürfe, denn nur so könne Neues erfahren werden.

Im September 2020 nahm der in Wien lebende und arbeitende Künstler den Auftrag von foryouandyourcustomers an, die kleinformatigen Bilder für die traditionellen Weihnachtsgeschenke des Unternehmens für Kundinnen und Kunden, Mitarbeitende, Freundinnen und Freunde für das nächste Jahr zu gestalten. Ein „folgenschwerer Entschluss“, wie er mit einem Augenzwinkern erzählt. „Ich habe den Auftrag in Etappen umgesetzt. Auch wenn ich nicht immer explizit an ihnen malte – dadurch, dass die Bilder bei mir lagerten, war mein Atelier bevölkert von diesen Kleinformaten, die mich fast zu jeder Tages- und Nacht-Zeit forderten. Denn es sind viele kleine Arbeitsvorgänge notwendig, bis ein Bild das Atelier verlassen darf und daneben waren ja auch noch andere zu realisierenden Projekten zu bearbeiten.“

Die notwendigen Arbeiten bis zum fertigen Bild, beschreibt der Künstler selbst so: „Die hellbraunen Holzrohlinge mit ihrer leicht reliefartigen Struktur müssen mehrfach grundiert werden und nach jeder Grundierung abgeschliffen, bis die gewünschte Oberflächenbeschaffenheit erreicht ist. Anschließend folgen zwei Arbeitsdurchgänge, durch die das Bild aufgebaut und entwickelt wird. Mit Abklebebändern werden Flächen definiert, durch welche die jeweils gewünschten Kompositionen erzeugt und anschließend bemalt werden. Beim Entfernen der Bänder können kleinere Verletzungen am Bild auftreten, die nachträglich oft mühsam korrigiert werden müssen.

„Es ist schon ein besonderer Auftrag mit einem ebensolchen Reiz“, selbst für jemanden wie ihn, der sich seit sehr langer Zeit bereits mit Malerei, seinen Skulpturen und den Installationen auseinandersetzt, seinen eigenen Stil gefunden hat und weiterentwickelt. „Diese Bilder sind mit ihren 15 auf 15 Zentimeter ja zum Übersehen klein, fast schon Miniaturen, aber daran zu malen ist ein großes Vergnügen, Bild für Bild immer wieder aufs Neue eine Aufregung.“

Interessant fand er überdies: „Ich erreiche mit den Arbeiten später ein ganz anderes Publikum als beispielsweise mit einer Ausstellung. Unter den damit Beschenkten finden sich mit Sicherheit viele Menschen, die sich sonst nicht mit (meiner) Kunst auseinandersetzen würden und auf diese Weise nun vielleicht einen Wert- oder Lustgewinn empfinden können. Dieser Gedanke gefiel mir von Anfang an ausgesprochen gut.“

Für foryouandyourcustomers war er zum damaligen Zeitpunkt kein Unbekannter. „Unabhängig davon, dass ich die Kuratorin Sali Ölhafen bereits seit Längerem aus der Kunstszene  kannte, durfte ich die 13. Ausstellung des Unternehmens in meiner Heimat am Standort in Feldkirch gestalten. Als man mich dann wegen der Weihnachtsgeschenke anfragte, machte ich den Verantwortlichen Vorschläge entlang meines künstlerischen Repertoires: von den „Linien-Allianzen“ über die „offenen Rahmen“ bis hin zu meinen Bildern „Ornament-Struktur“. Letztlich fiel die Entscheidung dann auf die Werkgruppe der Bilder „Raster“.“

Türtschers Werk ist seit den frühen 80er-Jahren wesentlich geprägt durch zwei Elemente: das Motiv des Rasters, exemplarisch verkörpert in der Gegensätzlichkeit von horizontal und vertikal, hell und dunkel, offen und definiert, und die Verwendung von Farbe an sich: Farbe als autonome Qualität mit all ihren vielfältigen harmonischen und disharmonischen Wirkungsweisen.  Seine malerischen und objekthaften Arbeiten variieren innerhalb dieses Systems – sie implizieren trotz des strengen Ordnungssystems eine spielerische, prozesshafte Bewegung. Geometrische Elemente werden wie Module in einem Baukastensystem auf dem Bildträger variiert. Die so erzeugten Bild-Räume mit ihren kommunizierenden Elementen versteht Türtscher im Sinne einer expansiven Malerei.

Inzwischen ist mehr als ein Jahr vergangen, es ist November 2021 und Franz Türtscher steckt in der Endphase seiner Produktion. „Im Augenblick stehen die letzten 13 Werke bei mir auf den Brettern“, berichtet der 68-Jährige. „Auf den Brettern“, da sich Franz Türtscher einen eigens für diesen Auftrag entworfenen Arbeitsprozess ausdachte: Drei Holzplatten mit Holzleisten dienen ihm quasi als Staffelei zur Fixierung der Rohlinge, die es zu gestalten gilt. „Auf diese Weise kann ich effizient in Kleinserien bestehend aus jeweils 13 Bildern arbeiten“, erklärt er seinen Arbeitsbehelf.

„Eine künstlerische Arbeit kann immer nur eine Annäherung sein, nie fertig.“

Franz Türtscher, Künstler

Trotz der Vielzahl an Bildern, die es zu gestalten gab: „Motivationsprobleme hatte ich dabei nie. Jedes neue Bild, jede neue Serie stellte eine neue Herausforderung dar, die immer wieder aufs neue eine sehr motivierende Wirkung erzeugt hat. Beim Produzieren dieser Anzahl von Bildern entsteht ein innerer Dialog zur Bildfindung. Einmal bevorzuge ich einen stilleren, bei der darauffolgenden Serie einen lauteren Bildklang. Diese Unterschiede drücken sich zum Beispiel durch das Wechselspiel von einer detailreicheren zu einer minimalistischeren Formensprache oder durch die Auswahl von kräftigeren zu stilleren Farben aus. Es war ein wieder und wieder an der Schraube drehen, neu justieren und das hat es bis zu den letzten 13 Bildern spannend für mich gemacht.“

Wie viele seiner Serien geschweige denn wie viele Werke er am Ende in Summe produziert haben wird, will Franz Türtscher nicht verraten. „Für den Besitzer eines dieser Bilder ist diese Zahl ja unerheblich. Selbst wenn dieses eine, sein Bild, in einer Serie mit ähnlichen entstanden ist, bleibt es ein Unikat, wie jedes andere aus dieser und den anderen Serien; Es ist sowohl allein ein Ganzes, kann aber, mit mehreren Bildern kombiniert und erweitert, als Teil eines Ganzen verstanden werden. Somit geht es immer weiter: Eine künstlerische Arbeit kann immer nur eine Annäherung sein, nie fertig.”

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