Digitaler Wandel als Herausforderung für Organisation, Führung und Zusammenarbeit

Digitaler Wandel als Herausforderung für Organisation, Führung und Zusammenarbeit

Viele Führungskräfte von Unternehmen haben erkannt: Eine nachhaltige Digitalisierung der eigenen Organisation fußt nicht allein auf dem technologischen Aufrüsten von Angeboten, Abläufen und Services. Den digitalen Wandel zu meistern, benötigt mehr: Die Veränderungsbereitschaft in der gesamten Organisation und deren Strukturen und vor allen Dingen benötigt es die Einbindung der Mitarbeiter. Beim 46. Business Breakfast bei for​you​and​your​cus​tom​ers hinter die Kulissen erfolgreicher Unternehmen, zeigten auf, wie diese die bestehenden Herausforderungen angehen und zu bewältigen versuchen und welche Chancen die Digitalisierung Unternehmen von heute bietet – praxisbezogen und mit fundiertem wissenschaftlichem Background unterlegt, als Orientierungshilfe für unsere Gäste und deren Businessentwicklung.

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„Die Digitalisierung ist seit geraumer Zeit eines der Topthemen auf der C-Level-Agenda“, sagte einer der Teilnehmer. „Fast schon zu viel wird mir – im Vergleich zu anderen Herausforderungen der heutigen Zeit – darüber berichtet. Doch hier konnten wir heute einmal einen anderen Blickwinkel auf den digitalen Wandel einnehmen: Welche Rolle spielt dabei der Mitarbeiter, als Mensch und Angestellter, als Teil des Unternehmens mit seinen Vorstellungen und Bedürfnissen und wie binde ich ihn und sein Entwicklungspotenzial in diesen Veränderungsprozess mit ein. Ich bin mir sicher: Nicht nur ich und mein Unternehmen werden nach dem heutigen Tag von der ganzheitlichen Sichtweise der Experten und deren Erfahrungsschatz profitieren.“  

“Eine Vielzahl an Organisationen – im B2B wie B2C-Sektor – möchten State of the Art sein. So wurden in der Vergangenheit neue Webshops aus dem Boden gestampft, Apps auf den Markt geworfen, Abläufe automatisiert und eine Vielzahl an Services rund um Produkte und Dienstleistungen geschaffen. Jeder mögliche Kanal zum Kunden soll gemäß der jeweiligen Digitalisierungsstrategie erschlossen und gepflegt werden, um im Zuge der immer schneller zunehmenden Digitalisierung den Anschluss an die Konkurrenz ja nicht zu verlieren“, sagte Miriam Hofbauer, CEO foryouandyourcustomers Zürich

Der Fokus muss sich verändern

Bislang lag der Fokus dabei zumeist auf technischen Aspekten allein – dem Arbeiten mit Daten und dem Aufbau neuer Systeme. „In den vergangenen Monaten hat aber ein Umdenkprozess eingesetzt, basierend auf den Erfahrungen, die man vieler Orts im digitalen Wandel gesammelt hat“, so die erste Referentin weiter. „Weil wir bei foryouandyourcustomers selbst eine besondere Organisationsform leben und Kunden mit unserem integralen Ansatz im digitalen Wandel unterstützen, wurden wir vermehrt von Unternehmen angesprochen: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf eine Organisation und deren Mitarbeiter aus und wie kann man diese Anforderungen meistern?“

Aus ihrer Erfahrung und der täglichen Projektarbeit weiß Miriam Hofbauer: Diesen Wandel erfolgreich in Strukturen und Abläufe zu integrieren, bedarf eines Kulturwandels innerhalb eines Unternehmens. Deshalb sollte man sich intern auf diese Veränderungen einstellen und ausrichten, auf allen Ebenen entsprechende Kompetenzen und Fähigkeiten bilden und verfügbar machen.“ Unterstützen kann dabei die Exploded View, ein von foryouandyourcustomers entwickeltes Modell, das Miriam Hofbauer den Teilnehmern an diesem Morgen präsentierte. 

Anhand der Erfahrungen aus Digitalisierungsprojekten in unterschiedlichen Industrien zeigte sie im Folgenden auf: „Unternehmen gehen das Thema Digitalisierung immer kundenfokussierter, vom Customer Layer aus, an: Was erwarten oder wünschen sich meine Kunden? Um entsprechende Bedürfnisse zu befriedigen, benötigt es, so Hofbauer, dann auf den untersten Ebenen des Modells neue Technologien, die zu einer verbesserten Customer Experience führen sollen. „Doch das geht nicht von heute auf morgen. Das Problem ist: So lange die technologischen Änderungen nicht umgesetzt sind, müssen oftmals die Mitarbeiter diese Lücke kompensieren, um das positive Kundenerlebnis sofort zu erzeugen.“ 

„Digitalisierung macht Kulturwandel erforderlich“ 

Um erfolgreich zu sein, bedürfen diese Vorhaben Veränderungen beziehungsweise Anpassungen auf allen übrigen Ebenen der Organisation, müssen die Mitarbeiter im Unternehmen „mitgenommen“ werden. Ansonsten kommt es – wie heutzutage häufig zu beobachten ist – zur Überlastung von Mitarbeitenden, Unzufriedenheit, internen Konflikten und Kompetenzstreitigkeiten, wird das Silodenken in einzelnen Abteilungen gefördert und vor allen Dingen, so Miriam Hofbauer „stellt sich so kein nachhaltiger Erfolg ein“. Um diese „Folgeschäden“ zu vermeiden, setzen foryouandyourcustomers und Miriam Hofbauer auf die Exploded View: als wertvolles Analyse-, Kommunikations- und Planungstool. 

Die Bedeutung der Mitarbeiter, die Rolle der Unternehmensführung – den Erfolgsfaktor Kulturwandel in den Organisationen thematisierte im Anschluss Gallus Römer, Head of Operation & IT Doppelleu Boxer AG in seinem Vortrag. Römer war viele Jahre in verschiedenen Funktionen innerhalb der IT von Geberit tätig und in das Thema agile Arbeitsweisen involviert, ehe er sich an der HSG St. Gallen wissenschaftlich intensiv mit dem agilen Management auseinandersetzte. 

„Globalisierung und immer schneller fortschreitende Digitalisierung erhöhen die Vielschichtigkeit in Unternehmen“, erklärte er den Anwesenden. Im Umfeld dieses Wandels falle es besonders hierarchisch strukturierten Organisationen merklich schwerer, die notwendige Innovationsfähigkeit zu fördern und Unternehmensprozesse steuerbar zu halten. Die Gründe hierfür seien vielschichtig. „Die heutige Generation hat inzwischen andere Bedürfnisse, die Menschen können sich in den bestehenden Strukturen nicht mehr wieder erkennen, geschweige denn verwirklichen und weiterentwickeln, verlieren so die Freude an der Arbeit und fühlen sich irgendwann nur noch in eine Maschinerie eingespannt. Auch den Vorgesetzten geht es nicht besser: Sie stehen vor immer größeren Herausforderungen, tragen Verantwortung für Prozesse und Strukturen, die sie kaum mehr verantworten können.“

Abhilfe kann seiner Meinung nach eine hybride Organisationsform schaffen, „eine Mischung aus agilen und hierarchischen Strukturen, die ein sinnstiftendes und motivierendes Arbeitsumfeld bieten, in dem Geschwindigkeit und Innovation gefördert werden.“ Laut Gallus Römer vollzieht sich ein Veränderungsprozess im Unternehmen immer nach dem Prinzip der Emergenz. So kann und soll jede Organisation ihren eigenen Weg finden, welcher sich sinnvoll in die Firmenkultur einbettet. 

Eine integrale Sicht von Wirtschaft und das Verständnis einer Soziologie der Weltbeziehungen

„Wir benötigen einen Paradigmenwechsel, weg vom hierarchischen hin zum integralen“, sagte im Anschluss Daniel Humbel, CEO Transa, dritter und letzter Referent der Veranstaltung. Seiner Meinung nach „kommt dabei der Wirtschaft, den Unternehmen, eine tragende Rolle zu: Sie können diesen Paradigmenwechsel vorantreiben“, denn die Politik oder das Bildungssystem seien dafür zu langsam.

Die erhöhte Komplexität und erhöhte Geschwindigkeit, welche die Digitalisierung mit sich bringt, ist eine Chance, die Kommunikations- und Entscheidungskultur weiter zu entwickeln. Es gibt weniger Falsch/Richtig, Entscheidungen und Arbeitsschritte werden in kürzeren Abschnitten geschehen. Wenn die Entscheide in der Prozesskette dort gefällt werden, wo das Know-how ist, führt dieser Weg zu einer radikalen Transparenz. Dies wird die Kommunikationskultur intern und extern verändern.“ Für Unternehmen sei es eine riesen Chance, diese Lernprozesse zusammen mit den Mitarbeitenden zu machen, „denn die Menschen müssen lernen, mit der Digitalisierung umzugehen, im privaten wie auch im beruflichen Bereich. Wenn sich Veränderungen auf Prozesse und Tools beschränken, dann… A fool with a tool is still a fool. Veränderung, hat mit Haltung zu tun. Und Selbstreflextion ist dabei ein guter Wegbegleiter.“

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