27. Ausstellung in den neuen Räumen in Essen

27. Ausstellung in den neuen Räumen in Essen

Die Eröffnung der neuen Büroräume der for​you​and​your​cus​tom​ers GmbH in Essen wurde gefeiert mit einer Vernissage dreier Künstler: Willi Baumeister (Stuttgart, 1889 – 1955) ist als im Dritten Reich verfemter Künstler vertreten mit einer Lithografie. Sali Ölhafen, Wien, zeigt dreidimensionale Graphit Objekte sowie Acryl Zeichnungen auf Karton und Leinwand. Christian Stock, Wien, stellt „Würfelbild BLAU“ und „Würfelbild WEISS“ aus sowie 13 Exemplare einer Serie „Monochrome Expressionism“.

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Der Geschäftsführer Axel Helbig, seit 2014 in Deutschland für foyouandyourcustomers tätig, begrüßte die etwa 100 Gäste am nunmehr dritten Standort der foryouandyourcustomers GmbH im Kanzleihaus Salomon Heinemann an der Zweigertstraße 50 in Essen im Beisein von Kunden, Familienmitgliedern, Mitarbeiter, Partnern und einem großen Kreis von Kunstinteressierten. „Durch die Kunst und den großen Zuspruch unserer Gäste werden die bisher leeren Räume jetzt lebendig und erfüllt. Auf diese Weise werden sie uns vollständig für gemeinsames Arbeiten übergeben“ leitete Axel Helbig über zum Bericht des Architekten zur baulichen Geschichte.

„Ich möchte die zwei Geschichten dieses Hauses berichten“ begann der Architekt und Bauunternehmer, der das Gebäude kaufte und sanierte, Albert Sevinc und ließ sein Publikum Anteil haben am ersten Entwurf und Bau ab 1911 sowie Umbau und Neu-Entdeckung „des architektonischen Juwels, das uns nach Aufräumarbeiten entgegen trat“. Die stadtplanerische Weitsicht des damaligen Essener Bürgermeisters Erich Zweigert schuf eine Prachtstraße mit Gericht, Bürgerhäusern und Bürogebäuden, wo der Architekt Edmund Körner für Salomon und Anna Heinemann das Kanzleihaus Salomon Heinemann entwarf und bauen ließ von 1910 bis 1914.

Dem hervorragenden Juristen Heinemann und der Kinderbuchautorin Anna Heinemann waren 24 fruchtbare Jahre des Wirkens vergönnt bis zum 9. November 1938. Sie mussten die Zerstörung von Inventar und einer bedeutenden Sammlung expressionistischer Kunst ertragen. Sie waren der körperlichen Gewalt der Exzesse der Pogrom-Nacht ausgesetzt und wählten danach den gemeinsamen Freitod.

Das Gebäude erfuhr eine Nutzung durch die Staatsanwaltschaft Essen von 1948 bis 2006 und stand danach zum Verkauf. „Unser erster Besuch 2011 ließ den Schatz noch nicht erahnen“ berichtete Sevinc, und fährt fort, wie mit Erkennen von Geschichte und Substanz des Objekts die Pflicht gegenüber den ersten Eigentümern und Architekten erwuchs. Die Vermietung an Unternehmer, die die Geschichte des Hauses mit Werten und Arbeiten des Unternehmens würdigen werden ergab sich aus dem historisch genauen Wiederaufbau. „Ich bedanke mich bei Josef Stadler und Axel Helbig für das Verständnis und die Würdigung der Geschichte dieses besonderen Hauses, die auch in dieser Vernissage zum Ausdruck kommt“, schloss der Bauherr seine Ausführungen.

„Der Verlust ihrer bedeutenden expressionistischen Sammlung hatte nicht nur für das Ehepaar Heinemann eine große Bedeutung, sondern auch für das Folkwang Museum in Essen, dem diese Sammlung versprochen war“ fuhr die Kunsthistorikerin Bärbel Messing fort.

Das abstrakte Werk von Willi Baumeister, eine Lithografie „Motiv 1937“, im Empfangssaal der foryouandyourcustomers GmbH ist zentral für die mit dem Folkwang Museum verwobene Geschichte des Hauses und seiner Gründer, fuhr die Kunsthistorikerin fort. Im Dritten Reich erhielt der bedeutende Maler und Kunstprofessor Willi Baumeister, laut Frau Messing „ein Pionier auf dem Weg zur Abstraktion“, Arbeits- und Ausstellungsverbot. Die Gegenwart seiner Lithografie in der Ausstellung dreier Künstler ist „ein mahnender Zeuge unserer Vergangenheit, dem man nichts anmerkt von der Schwere der Zeit“ würdigte Bärbel Messing das Kunstwerk „Motiv 1937“.

Die Malerei des 21ten Jahrhunderts, die sich befreit von Gegenständlichkeit und starrer Rezeptionserwartung, greift Themen wie Farbauftrag und Farbverlauf auf sowie Silhouetten und Schatten. Das Werk von Sali Ölhafenist einerseits der Malerei verpflichtet und löst die gemalten Objekte heraus, verdichtet sie als plastische Entwürfe, die mit ausgeformtem und echten Lichtschatten vor der Wand schweben. Hier sah die Kunsthistorikerin „die Parallele zu den gleichsam schwebenden Elementen in der Lithografie“.

Die Eigenschaften „leicht, beschwingt, tänzerisch“ kann man sowohl den Werken von Sali Ölhafen zusprechen, als auch den gemalten Objekten von Christian Stock. Der Farbkubus von Christian Stock ist trotz des Gewichts tausender Farbaufträge „ein schwebendes Objekt an der Wand“ stellte Frau Messing fest. Das Werk der Farbkuben von Christian Stock beeindruckt durch Zeit und Langsamkeit der Erstellung und vermittelt den Betrachtern völlig eigene Betrachtungserlebnisse. Die Kunsthistorikerin wendete sich abschließend an Publikum und Mitarbeitende der foryouandyourcustomers GmbH und stellte den Anwesenden die Frage „ob sich nach einem Jahr der Betrachtung und Auseinandersetzung mit der Kunst Momente der Inspiration ergeben oder auch Widerstand erlebt werden wird?“

Axel Helbig dankte den Künstlern und Vortragenden für ihre Beiträge und wiederholte „dass wir sowohl unseren Kunden und Partnern verpflichtet sind in Digitalisierung voran zu gehen als auch die Kommunikation immer weiter und immer wieder zu öffnen wie dies hier durch die Kunst dreier Künstler geschieht“.

Axel Helbig bedankt sich bei allen Künstlern und Besuchern